Vollelektrischer Kühltransporter im Praxiseinsatz

Vollelektrischer Kühltransporter im Praxiseinsatz

Die Veredelungsmetzgerei Gut Granerhof setzt auf einen eSprinter mit Kiesling Kühlaufbau

Ein vollelektrischer Kühltransporter zeigt wie die Münchner Innenstadt emissionsfrei, leise und zuverlässig gekühlt mit Frischware beliefert wird. Das Gut Granerhof in Peißenberg/Böbing steht für hochwertige Fleisch- und Wurstspezialitäten aus eigener Herstellung. Regionalität, Tierwohl und kurze Transportwege sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen gehören zur Unternehmensphilosophie. Eine Photovoltaikanlage mit 300 kWp in Kombination mit einem 50 kWh-Batteriespeicher liefert Strom für den Betrieb der modernen Metzgerei.

Die Abnehmer der Veredelungsmetzgerei sind zu einem großen Teil die Gastronomie im Raum München. Gut Granerhof hat sich nun für einen Mercedes-Benz eSprinter mit Kiesling Kühlaufbau und vollelektrischer Kühlmaschine E-200-50 MAX von Thermo King entschieden, das Elektro-Fahrzeug ermöglicht eine lokal emissionsfreie und geräuscharme Belieferung der Gastronomie in der City.

Die Entscheidung fiel dabei nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen. Das Fahrzeug ist seit Mai 2026 im Einsatz und wurde mit dem Autohaus HORNUNG, Partner für Mercedes-Benz Transporter, realisiert.


Warum sich der Granerhof für Kiesling entschieden hat

Bei der Auswahl des Kühlaufbaus waren für den Granerhof Qualität, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit entscheidend. Deshalb fiel die Wahl auf einen Kühlaufbau der Kiesling Fahrzeugbau GmbH.

Kiesling bietet innovative Lösungen für die temperaturgeführte Logistik an und setzt selbst stark auf Nachhaltigkeit. Im Werk in Dornstadt bei Ulm wird ein Großteil des für die Produktionsanlagen benötigten Stroms über eigene Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von über 920 kWp geliefert. Bei den Produkten wird auf hohe Qualität gesetzt, die Kühlaufbauten sind langlebig und reparaturfreundlich. Kiesling bietet als erster Hersteller Kühlaufbauten mit einer TÜV-geprüften Recyclingquote von ≥ 85 % sowie einer Wiederverwertungsquote von ≥ 95 % an.

Die Kombination aus langlebiger Qualität und ressourcenschonender Konstruktion überzeugte auch den Granerhof und macht den Kiesling-Kühlaufbau zur passenden Lösung für den neuen eSprinter.


Im täglichen Liefereinsatz in der Innenstadt von München

Seit Mai 2026 setzt der Granerhof den vollelektrischen Mercedes-Benz eSprinter mit Kiesling-Kühlaufbau für die tägliche Auslieferung von Fleisch- und Wurstwaren an Gastronomiebetriebe ein. Die Touren führen überwiegend von Peißenberg in die Münchner Innenstadt.

kuehltransporter elektrisch









Die Tour beginnt in der Regel gegen 7.30 Uhr. Nach rund sechs Stunden kehrt das Fahrzeug gegen 13.30 Uhr wieder auf das Betriebsgelände zurück. Während der Tour legt der eSprinter etwa 150 bis 180 Kilometer zurück und beliefert dabei vier bis fünf Kunden.

Bei den Lieferstopps wird der Laderaum oft bis zu dreimal geöffnet. Die durchschnittliche Öffnungsdauer beträgt etwa 60 Sekunden. Trotz der häufigen Türöffnungen wird die eingestellte Solltemperatur von +1 °C während der gesamten Tour zuverlässig eingehalten.

Das Kühlgerät läuft in einem definierten Temperaturbereich: Bei 0 °C schaltet es ab, bei einem Anstieg auf +4 °C wird der Betrieb wieder gestartet. So bleiben die empfindlichen Fleisch- und Wurstwaren kontinuierlich im erforderlichen Temperaturfenster.


Vollwertige Alternative zum Dieselfahrzeug

Nach den ersten Einsatzmonaten fällt die Bewertung mehr als positiv aus. Besonders angenehm ist die deutlich geringere Geräuschentwicklung des Elektrofahrzeugs.

„Steigende Dieselpreise und unsere PV-Anlage mit Speicher waren ausschlaggebend für die Anschaffung des Mercedes-Benz eSprinters. So werden wir wirtschaftlich unabhängiger von der Kraftstoffpreisentwicklung.“, so Betriebsleiter Tobias Ende. „Für uns ist es eine vollwertige Alternative.“

Die serienmäßige Geschwindigkeitsbegrenzung auf 90 km/h ist für die täglichen Fahrten des Granerhofs ausreichend. Die Fahrt mit höherer Geschwindigkeit würde den Energieverbrauch steigern und die verfügbare Reichweite reduzieren.


Reichweite passt zum vorgesehenen Einsatz

Auch die Fahrleistungen und die verfügbare Reichweite passen zum Tourenprofil des Granerhofs. Mit durchgehend eingeschalteter Kühlung erreicht das Fahrzeug eine praxisnahe Reichweite von etwa 200 Kilometern. Wird die Kühlung auf der Rückfahrt nicht mehr benötigt und ausgeschaltet, sind laut Granerhof bis zu 220 Kilometer möglich.

Das Fahrzeug startet morgens mit einem Batterieladezustand von 100 Prozent. Nach der Rückkehr liegt die verbleibende Batteriekapazität abhängig von Streckenführung, Verkehrsaufkommen und Betriebsbedingungen meist zwischen 15 und 30 Prozent, ausreichend Reichweitenreserve für Unvorhergesehenes.

Optimierungspotenzial sieht der Betriebsleiter eher beim Komfort. Um auf der Hinfahrt möglichst viel Energie einzusparen, verzichtet der Fahrer teilweise auf die Nutzung der Klimaanlage. „Mit einer etwas größeren Reichweite wäre dies nicht mehr erforderlich“.


Zuverlässige Kühlung auch bei großer Hitze

Eine besondere Bewährungsprobe waren die hohen Außentemperaturen während der Hitzewelle im Juni und Juli 2026. Bei Temperaturen von mehr als 30 °C musste das Fahrzeug seine Leistungsfähigkeit unter anspruchsvollen Bedingungen beweisen.

Auch an diesen heißen Tagen wurde die erforderliche Transporttemperatur sicher eingehalten. Eine wichtige Voraussetzung dafür war das konsequente Vorkühlen des Kühlaufbaus vor Fahrtbeginn.

esprinter mit kuehlaufbau von kiesling









Tobias Ende: „Die hohen Außentemperaturen waren dank des Vorkühlens überhaupt kein Problem. Der Kühlaufbau hat die Temperatur hervorragend gehalten und die Kühlmaschine hat jederzeit zuverlässig gearbeitet.“

Die Praxiserfahrung hat gezeigt, dass die hochwertige Isolierung des Kiesling-Kühlaufbaus, die elektrische Kühlmaschine und das Vorkühlen über den Netzanschluss wirkungsvoll zusammenspielen.


Laden auf dem eigenen Betriebsgelände

Geladen wird der eSprinter ausschließlich auf dem Betriebsgelände des Granerhofs. Hierfür steht eine 11-kW-AC-Wallbox zur Verfügung. Je nach verbleibendem Batteriestand dauert das vollständige Aufladen auf 100 Prozent etwa sechs bis sieben Stunden und erfolgt direkt nach der Rückkehr des Fahrzeugs von der Tour.

Da die täglichen Strecken planbar sind und innerhalb der verfügbaren Reichweite liegen, ist während der Tour kein Zwischenladen erforderlich.

Der Granerhof ist dadurch unabhängig von öffentlichen Ladesäulen und kann den eigenen Strom aus der PV-Anlage nutzen. Das Elektrofahrzeug konnte so optimal in die bestehenden betrieblichen Abläufe integriert werden.


Fazit: Vollelektrische Kühllogistik funktioniert im passenden Tourenprofil

Der Praxiseinsatz beim Gut Granerhof zeigt, dass sich regionale Kühlauslieferungen mit planbaren Tagesstrecken vollelektrisch umsetzen lassen. Die Touren können ohne Zwischenladen absolviert werden, die Kühlung hält die benötigte Warentemperatur zuverlässig. Wichtige Kriterien sind das konsequente Vorkühlen und die betrieblichen Lademöglichkeiten. Dazu ist der eSprinter in dieser Variante nur für Frischdienst-Einsatz und nicht für Tiefkühlung geeignet.

vollelektrischer kühltransporter









„Wir würden uns jederzeit wieder für ein vollelektrisches Kühlfahrzeug entscheiden. Das Fahrzeug überzeugt im täglichen Einsatz durch Zuverlässigkeit, die niedrigen Geräuschemissionen und die problemlose Integration in unsere Abläufe. Die Kombination aus elektrischem Antrieb und leistungsfähigem Kühlaufbau funktioniert hervorragend und erfüllt unsere Anforderungen vollumfänglich.“ erklärt Betriebsleiter Tobias Ende.


Tourendaten im Überblick:

  • Ladung: Fleisch- und Wurstwaren
  • Tagesfahrleistung: ca. 150 bis 180 km
  • Reichweite mit Kühlung während der gesamten Tour: ca. 200 km
  • Reichweite bei ausgeschalteter Kühlung auf der Rückfahrt: ca. 220 km
  • Stopps pro Tour: vier bis fünf mit je bis zu drei Türöffnungen à ca. 60 Sekunden
  • Tourdauer: ca. sechs Stunden
  • Batteriestand bei Tourbeginn: 100 Prozent
  • Batteriestand bei Tourende: ca. 15 bis 30 Prozent
  • Eingestellte Solltemperatur: +1 °C

Empfehlungen für den täglichen Betrieb:

  • Aufbau bereits vor dem Beladen auf Transporttemperatur vorkühlen.
  • Türöffnungen so kurz wie möglich, nach der Entladung sofort schließen.
  • Kälterückhaltesytem Cool Slide / Cool Flap zusätzlich einsetzen.
  • Lieferstopps und Fahrstrecken effizient planen.
  • Fahrzeugbatterie rechtzeitig und vollständig laden.
  • Ladung so verteilen, dass die Luft ungehindert zirkulieren kann.
  • Gleichmäßig und vorausschauend fahren, Rekuperation nutzen.

Daten vollelektrische Kühlmaschine - Thermo King E-200-50 MAX:

  • Antrieb über ePTO des Fahrzeugs oder 230 V / 16 A CEE-Steckdose (blauer Stecker)
  • Kühlleistung: 2.030 W bei 0 °C / 1.020 W bei -20 °C
  • Heizleistung: 2.000 W
  • Funktion: Frischdienst-Kühlung und Heizung im Fahr- und Standbetrieb

Daten eSprinter 420 PRO von Mercedes-Benz:

  • Mercedes-Benz eSprinter 420 PRO mit Radstand 3.665 mm
  • Zulässige Gesamtmasse: 4.250 kg
  • Nutzlast: ca. 1.010 kg
  • Nutzbare Batteriekapazität: 81 kWh
  • Motorleistung: 150 kW beziehungsweise 204 PS
  • Elektrischer Nebenabtrieb: E2C ePTO, 3,5 kW, 12 V DC
  • AC-Ladeleistung: bis zu 22 kW
  • WLTP-Reichweite ohne Aufbau: bis zu 304 km
  • Geschwindigkeitsbegrenzung: serienmäßig 90 km/h


Führerschein und Zulassung

Ein Vorteil bei Elektrofahrzeugen wie dem eSprinter ist die mögliche Zulassung mit einem zulässigen Gesamtgewicht (zGG) von bis zu 4,25 t. Dadurch ergibt sich gegenüber einem vergleichbaren Dieselmodell ein Nutzlastvorteil von rund 100 kg.

In den CoC-Dokumenten ist für den eSprinter eine Gewichtsausnahme von 650 kg vorgesehen. Das bedeutet: Ein eSprinter mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 4,15 t (3,5 t + 650 kg) darf weiterhin mit dem Führerschein der Klasse B gefahren werden.

Wird das Fahrzeug jedoch auf 4,25 t zGG zugelassen, ist ein Führerschein der Klasse C1 erforderlich. Das ist insbesondere für Betriebe, Vereine oder Organisationen wie die Tafeln ein wichtiger Aspekt, wenn Fahrerinnen und Fahrer ausschließlich über die Klasse B verfügen.


Tachograph

Da der eSprinter bei einer Zulassung über 3,5 t zGG als Fahrzeug der Klasse N2 eingestuft wird, besteht grundsätzlich eine Tachographenpflicht. Je nach Einsatzgebiet können jedoch Ausnahmen von den Lenk- und Ruhezeiten gelten. Diese sollten vor der Fahrzeugbeschaffung im jeweiligen Anwendungsfall geprüft werden.


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